ZBI-Header

In Deutschland verfügen ca. 38% aller Unternehmen mit zehn und mehr Beschäftigten über einen schnellen Internetanschluss von mindestens 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s), teilt das Statistische Bundesamt in diesen Tagen mit. Damit liege Deutschland im internationalen Vergleich im Mittelfeld, die Spitzenplätze in der EU belegten im Jahr 2016 Dänemark mit 65% und Schweden mit 59%. Aus Sicht der Ingenieure für Kommunikation (IfKom e. V.) sollten diese Angaben den politisch Verantwortlichen zu Denken geben. Mit der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung in der Wirtschaft steigt dort der Bedarf nach ausreichend dimensionierter und sicherer Infrastruktur. Zudem verursacht die Betrachtung der Bandbreite von 30 Mbit/s – anstelle der als Ziel der Bundesregierung für Ende 2018 festgelegten 50 Mbit/s – ein geschöntes Bild.

Selbst diese Bandbreite wird von den Politikern aller Parteien inzwischen als überholt angesehen. Auch die IfKom halten diesen Wert nur für einen Zwischenschritt. Das gilt z. B. angesichts immer höherer Videoübertragungen (sogenannte 4K- oder 8K-Fernseher) auch für Privathaushalte und nicht nur für Unternehmen. Mitte des Jahres 2016 betrug der Abdeckungsgrad für 50 Mbit/s 71,2% der Haushalte, wobei jedoch lediglich eine Steigerung um 2,5 Prozentpunkte innerhalb von 12 Monaten zu verzeichnen waren (Mitte 2015 bis Mitte 2016).

Inzwischen wurde eine Vielzahl von Maßnahmen aufgelegt, um das Breitbandziel bis Ende 2018 doch noch zu erreichen. Einige Netzbetreiber setzen auf Vectoring, das als Übergangstechnologie nach Meinung der IfKom durchaus seine Berechtigung hat. Langfristig wird jedoch, auch für das neue Mobilfunknetz 5G, eine flächendeckende Glasfaserversorgung unabdingbar sein. Andere Maßnahmen, wie das DigiNetz-Gesetz zum Infrastrukturausbau sowie die finanzielle Förderung von Planungs- und Ausbaumaßnahmen benötigen noch einige Zeit, um ihre Wirkung in Breitbandanschlüssen messen zu können. Dennoch ist nach Auffassung des Ingenieurverbandes IfKom Handeln angesagt. Es sollte nicht abgewartet werden, ob die Maßnahmen vielleicht ausreichen, sondern geprüft werden, ob noch weitere Förder- und Beschleunigungsmaßnahmen möglich sind. Dieser Verantwortung müssen sich die Politiker schnellstens stellen, auch, wenn der herannahende Bundestagswahlkampf das politische Handeln oft einschränkt.