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20170830 151335 thumbDas Thema des vor kurzem stattgefundenen Stakeholderdialogs beim VDI war die Überarbeitung des Musteringenieurgesetzes im Hinblick auf die Berufsbezeichnung „Ingenieur“ durch den Arbeitskreis im Auftrag der Wirtschaftsministerkonferenz bis zum Ende des Jahres unter der Leitung von Dr. Ulrich Cichy aus dem Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen, an dem der Vizepräsident des ZBI und Bundesvorsitzende der IfKom, Heinz Leymann, teilnahm.

Im Rahmen des Stakeholderdialogs nutzten die Vertreter der Verbände und Hochschulen unter der Moderation von Lars Funk, Leiter des Bereichs Beruf und Gesellschaft des VDI, die Gelegenheit, ihre Positionen an die Arbeitsgruppe „Musteringenieurgesetz“ darzustellen. Als Einstieg übermittelte Prof. Dr. Hans-Ulrich Heiß von der TU Berlin eine kompetenzorientierte Definition eines Ingenieurberufs. Diese Definition wurde von einer Arbeitsgruppe der Technischen Universitäten (TU9) erarbeitet und erstmals auf dem Fakultätentag in Weimar in einer größeren Runde diskutiert. Es folgten die Positionen der Konferenz der Fachbereichstage e. V. durch Prof. Dr. Bühler und dem Verband Deutscher Wirtschaftsingenieure e. V. durch Prof. Dr.-Ing. Wolf-Christian Hildebrand.

Das Fazit dieses VDI-Stakeholderdialogs ist, die Marke „Ingenieur“ muss gesetzlich geschützt werden. Darüber hinaus muss das Ingenieurstudium mindestens 50 % MINT-Anteil haben. Somit werden auch Wirtschaftsingenieure, die diese Voraussetzung mitbringen, in dem Ingenieurgesetz eingebunden. Wünschenswert wäre eine zusätzliche Beschreibung der Kompetenzorientierung. Universitäten und Hochschulen sollen selbst entscheiden, wer sich Ingenieur nennen darf.

Ausdrückliche Zustimmung der IfKom findet die Forderung des VDI, die akademischen Grade eindeutig als ingenieurbezogen auszuweisen und zwar mit dem Bachelor of Engineering, dem Master of Engineering oder dem Master of Science in Engineering. Die IfKom fordern außerdem die gleichwertige Berechtigung zur Führung des Titels „Diplom-Ingenieur“. Der „Diplom-Ingenieur“ ist weiterhin ein weltweit anerkannter Qualitätsbegriff und sollte auch aus Gründen des internationalen Wettbewerbs nicht aufgegeben werden. Eine mögliche separate Anerkennung von Hochschulabschlüssen durch eine Ingenieurkammer in künftigen Hochschulgesetzen der Bundesländer lehnen die IfKom ab. Die Qualitätssicherung des Ingenieurstudiums ist aus Sicht der IfKom durch eine allgemein anerkannte Akkreditierung mit EU-weit abgestimmten Kriterien an Universitäten und Hochschulen ausreichend gewährleistet.

Die Ingenieurgesetze unterliegen den Zuständigkeiten der Bundesländer. Nach Auffassung der IfKom sollte dies allein im Zuständigkeitsbereich des Bundes liegen. Auch wenn eine einheitliche Regelung der Bundesländer innerhalb der Wirtschaftsministerkonferenz angestrebt wird, besteht die Gefahr, es gibt einzelne Landesingenieurgesetze, die dazu führen, dass sich ein Studienabsolvent in einem Bundesland Ingenieur nennen darf und in einem anderen nicht.