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Artikel Pressefoto CAIS 2017 10 14 Medien in der Vertrauenskrise 1 thumbBeim ersten Forum des Center for Advanced Internet Studies (CAIS) diskutierten Bürgerinnen und Bürger im Bochumer Jahrhunderthaus mit Expertinnen und Experten, wie sich Informationsvermittlung und Meinungsbildung durch Onlineangebote verändern. Schirmherrin der Veranstaltung war Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen.

Das Internet ermöglicht dem Einzelnen, sich so gut und umfassend zu informieren wie nie zuvor. Welche Informationen Bürgerinnen und Bürger tatsächlich erhalten, bestimmen aber zunehmend Algorithmen und subjektive Vorlieben. Zudem wird es schwieriger, zwischen seriösen und fragwürdigen Quellen zu unterscheiden. Diese Entwicklungen bleiben nicht folgenlos und fordern das Vertrauen in diejenigen heraus, die über die Welt, in der wir leben, berichten.

Der Direktor des CAIS, Professor Michael Baurmann, bekräftigte den Anspruch des CAIS, einen Beitrag zur verantwortlichen Gestaltung einer digitalen Gesellschaft zu leisten und den aktiven Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft zu fördern: „Dieser Austausch darf gerade angesichts des tiefgreifenden Wandels, den die Digitalisierung in nahezu allen Lebensbereichen auslöst, keine Einbahnstraße sein. Die Wissenschaft muss sich in ihrer Forschung an den Präferenzen und Interessen der Bürgerinnen und Bürger orientieren und die besondere Expertise nutzen, die sich nur aus der Erfahrung in der Praxis entwickelt.“

In seinem Grußwort betonte der Parlamentarische Staatssekretär des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, Klaus Kaiser, die Bedeutung der Wissenschaft für den Digitalisierungsprozess. Das CAIS verbinde den gezielten Blick auf Kernfragen der Digitalisierungsforschung mit dem öffentlichen Dialog: „Und das ist die Kompetenz, die wir brauchen, um die digitale Welt von morgen gestalten zu können. Wissenschaft und Forschung können dies nicht losgelöst von Wirtschaft und Gesellschaft tun.“

Die Kommunikationswissenschaftler Professor Bernd Blöbaum (Westfälische Wilhelms- Universität Münster) und Dr. Christian Nuernbergk (Universität Trier) erläuterten anhand aktueller Studien, dass das Vertrauen in die Medien über die Jahre insgesamt relativ stabil geblieben ist. Argwohn und Misstrauen in einzelnen Gruppen, die sich vor allem auch durch einen einseitigen Informations- und Meinungsaustausch im Internet verstärken, stuften sie allerdings durchaus als besorgniserregend ein. Dr. Alexander Marinos berichtete von seinen Erfahrungen, die er als stellvertretender Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung täglich mit den Vorbehalten von Leserinnen und Lesern macht.

Praktische Einblicke, etwa wie der Wahrheitsgehalt von Informationen mithilfe des Internets überprüft werden kann, brachte Johanna Wild in die Diskussion ein. Mit ihrer Agentur wafana hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, Rechercheinstrumente zu entwickeln und Redaktionen fortzubilden. Die Direktorin des Grimme-Instituts (Marl), Dr. Frauke Gerlach, betonte, wie notwendig es ist, Personen aller Altersgruppen im Umgang mit Onlineinhalten zu schulen.

Artikel Pressefoto CAIS 2017 10 14 Medien in der Vertrauenskrise 2 thumbDie IfKom – Ingenieure für Kommunikation, die an dieser Veranstaltung der CAIS teilnahmen, sehen gleichsam die Notwendigkeit, in einer immer stärker werdenden digitalen Gesellschaft das Vertrauen in den Journalismus zu sichern. Gerade in einer Demokratie ist es wichtig, die Pressefreiheit sowie einen guten und objektiven Journalismus zu stärken. Hier sind Politik und Gesellschaft gefordert. Für die IfKom ist daher eine digitale Bildung unabdingbar, die bereits in der Grundschule beginnen muss - wenn nicht sogar schon in der Kita, damit die Kleinsten in dem Bewusstsein heranwachsen. Beispielsweise ist seriöser von unseriösem Journalismus zu unterscheiden. Zudem unterstützen die IfKom den Gedanken von Prof. Dr. Baurmann, die Beteiligung von Fellows zu gesellschaftsrelevanten Themen an seinem Institut zu Bereichen, wie z. B. der IT-Sicherheit und des Garantierens der Privatheit. Schließlich ist Vertrauen der Zement der Gesellschaft.

Am Center for Advanced Internet Studies (CAIS) werden die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklungen erforscht, die durch das Internet und die Digitalisierung ausgelöst werden. Als eigenständiges Forschungszentrum wird es von der Landesregierung NRW gefördert. Gesellschafter sind die Ruhr-Universität Bochum, die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die Westfälische Wilhelms-Universität Münster und das Grimme-Institut (Marl).

Nähere Informationen finden Sie unter www.cais.nrw