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Die EU liegt hinsichtlich ihrer Beschäftigungs- und Technologieziele noch nicht auf Kurs. Die Leitinitiativen der EU-2020-Strategie „Digitale Agenda für Europa" und „Agenda für neue Kompetenzen und Beschäftigungsmöglichkeiten" müssen modernisiert werden. Die Verbände DFK – Die Führungskräfte und IfKom – Ingenieure für Kommunikation fordern, die EU-Strategie in diesen Punkten an die digitale Entwicklung anzupassen.

Modernisierung der Arbeitswelt
Auf Veränderungen der Arbeitswelt durch die Digitalisierung (Industrie 4.0, Cloud- und Crowd-Worker, Liquid Organisations, Smart Factories, Internet der Dinge etc.) werden weder auf nationaler noch auf europäischer Ebene konkrete Antworten gegeben. Gerade die Belange der Beschäftigten werden sich grundlegend verändern, und zwar in allen Hierarchiestufen. In diesem Themenbereich entscheidet sich, ob Europa in der Welt wettbewerbsfähig bleiben wird oder nicht.

Modernisierung der Aus- und Weiterbildung
Nach einer Studie von Oxford-Wissenschaftlern könnten 47 Prozent aller Arbeitsplätze in den USA in den nächsten ein bis zwei Jahrzehnten trotz digitalem Wachstum bedroht sein. Aus dem technologischen Wandel erwachsen neuartige Anforderungen an die Aus- und Weiterbildung. Bisher benötigte Fähigkeiten verlieren an Bedeutung; andere gewinnen dafür stark. Europa muss sich deshalb viel stärker um die digitale Bildung bemühen.

Modernisierung der ITK-Produktion
Informations- und Kommunikationstechnik sind auch aus Sicht der EU für sich genommen wichtige Wachstums- und Produktivitätshebel für die gesamte Wirtschaft. Die Produktivitätslücke zwischen der EU und den USA ist zu einem großen Teil durch niedrige Investitionen sowie geringen Einsatz von IKT zu erklären. Auch die durchschnittliche Datengeschwindigkeit im europäischen Mobilfunk ist nach wie vor lediglich halb so hoch wie in den USA.
In der neuen, datengestützten Wirtschaft sind europäische Unternehmen in der Wertschöpfungskette so gut wie nicht vorhanden. Die EU ist in diesem Bereich dabei, den Anschluss zu verlieren – mit negativen Folgen für die gesamte Wirtschaft. Bislang hat die EU-Kommission an dieser wichtigen Weiche der Wettbewerbsfähigkeit noch nicht gegengesteuert.

Modernisierung der Infrastruktur
Bis 2020 wird das Potenzial der Informations- und Kommunikationstechnologie zentraler Treiber von Wachstum, Innovation und Beschäftigung sein. Eine Hochgeschwindigkeits-Breitband-Infrastruktur ist mitentscheidend für die Zukunftsfähigkeit des Standortes Europa und seiner Wettbewerbsfähigkeit. Dazu ist ein Maßnahmenpaket aus ausgewogener europäischer Regulierung, genügend Investitionsanreizen und einer gezielten Förderung bzw. Beteiligung durch die europäischen Staaten erforderlich. Idealerweise mit Glasfaser, übergangsweise auch mit einem optimierten Technologiemix aus Glasfaseranbindungen, DSL-Anschlüssen und Funklösungen wird das Ziel einer flächendeckenden Breitbandversorgung in Europa in angemessener Zeit zu erreichen sein. Eine Breitbandgrundversorgung für jeden europäischen Haushalt ist durch die Europäische Politik sicherzustellen.

Modernisierung der Digitalen Grundrechte
Die Weiterentwicklung des "Völkerrechts des Netzes" blieb bisher ohne Erfolg. Erforderlich ist eine zügige europäische Vereinbarung. Die Persönlichkeitsrechte müssen auch in der digitalen Welt gelten.
Auf europäischer Ebene ist eine IT-Sicherheits-Roadmap auf den Weg zu bringen. Der Datenschutz muss auf europäischer Ebene auf hohem Niveau einheitlich geregelt sein. Unternehmen müssen sich in den Ländern, in denen sie auf dem Markt aktiv sind, an die jeweiligen Datenschutzregeln halten.
Ein offenes, freies und sicheres, globales Internet als Raum der Meinungsvielfalt, Teilhabe, Innovation und als Motor für Wirtschaftswachstum und Arbeit braucht Regeln auch auf europäischer Ebene. Hierzu gehört eine europäische Regelung zur Sicherstellung der Netzneutralität. Ausnahmen vom Prinzip der diskriminierungsfreien Übertragung von Datenpaketen müssen demokratisch legitimiert und transparent gestaltet sein und bedürfen der Überprüfung durch eine neutrale nationale oder europäische Instanz.
Die digitale Revolution vollzieht sich schneller, als es viele Akteure in Politik und Wirtschaft wahrhaben wollen. Die überarbeitete EU-2020-Strategie muss hierauf in allen Belangen ausgerichtet sein und im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit Europas und seiner Bürger schnell und entschlossen umgesetzt werden.