ZBI 2026 03 12 2 AK prvwSollte die Nutzung von Sozialen Medien für Jugendliche gesetzlich eingeschränkt werden? Diese Frage diskutiert derzeit nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch die Politik in Europa. Der ZBI – Zentralverband der Ingenieurvereine – sieht die Debatte differenziert und fordert vor allem eine nachhaltige Lösung: Ein verbindliches Schulfach Medienkompetenz. Ausgangspunkt der Diskussion ist ein Schritt aus Australien: Dort dürfen Jugendliche unter 16 Jahren seit Dezember 2025 keine Social-Media-Plattformen mehr nutzen. Ziel ist es unter anderem, junge Menschen vor den negativen Auswirkungen digitaler Dauerpräsenz zu schützen und ihnen mehr Raum für andere Aktivitäten zu geben.

Nach Einschätzung des ZBI zeigt sich jedoch bereits, dass ein solches Verbot nur schwer durchzusetzen ist. Viele Jugendliche sind technisch versiert und finden schnell Wege, entsprechende Einschränkungen zu umgehen. Zudem empfinden nicht wenige junge Menschen ein solches Verbot als Bevormundung. Gleichzeitig steht außer Frage: Soziale Medien prägen heute stark den Alltag von Jugendlichen. Plattformen verbreiten Informationen in rasanter Geschwindigkeit – nicht immer mit überprüfbarem Wahrheitsgehalt. Hinzu kommt, dass die fehlende direkte Kommunikation Hemmschwellen senken kann und extreme oder verletzende, anonyme Kommentare leichter entstehen.

Der ZBI sieht deshalb vor allem einen Bildungsauftrag. „Jugendliche müssen lernen, Social-Media kompetent, kritisch und verantwortungsvoll zu nutzen“, betont ZBI-Vizepräsident Dr. Heinz Leymann. Dazu gehören aus der Sicht des ZBI unter anderem der Umgang mit Fake-Accounts, das Erkennen von Falschinformationen, der Schutz der eigenen Daten sowie Strategien gegen Hasskommentare und digitale Überforderung.

Auch rechtliche Aspekte spielen eine wichtige Rolle. Vielen Jugendlichen ist nicht bewusst, dass etwa das Veröffentlichen von Fotos oder heimlichen Aufnahmen rechtliche Konsequenzen haben und im schlimmsten Fall zu erheblichen Kosten führen kann. Infolgedessen müssen Schulen stärker als bisher digitale Kompetenzen vermitteln. Gleichzeitig sollten Lehrkräfte gezielt fortgebildet werden, damit sie Jugendliche in einer digitalen Lebenswelt kompetent begleiten können.

Fazit des Verbandes:

Unabhängig davon, ob es künftig gesetzliche Einschränkungen für Soziale Medien gibt oder nicht, benötigen junge Menschen vor allem eines – fundierte Medienkompetenz. Der ZBI fordert daher die Einführung eines eigenständigen Schulfachs Medienkompetenz. Das Schulfach Medienkompetenz sollte Kenntnisse über die unterschiedlichsten altersbezogenen sozialen Medien beinhalten, erkennen von Falschnachrichten, Steuerer von Falschnachrichten, Preisgeben von privaten Daten, Umgang mit Urheberrechten, Schutz der eigenen Privatsphäre und den rechtlichen Aspekten. Bestandteil dieses Unterrichts sollte zudem die gesundheitlichen Auswirkungen bei Dauernutzung sein. Dazu bedarf es nach Auffassung des ZBI spezialisierter Lehrkräfte, die auch über die eigene Schule hinaus, dieses Fach anbieten – ggf. ist auch professioneller, externer Social-Media-Sachverstand einzusetzen. Hier ist insbesondere die Kultusministerkonferenz gefordert, um die entsprechenden Rahmenbedingungen festzulegen und die notwendigen Ressourcen bereitzustellen.